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Römerrundgang

Zeiselmauer, römisch Cannabiaca, das östlichste Kastell am Donaulimes der Provinz Noricum, war Standort einer gemischten Kohorte von 500 Reitern und Fußsoldaten (cohors equitata). Gegen Ende des 1. Jahrhunderts angelegt war es Teil der Befestigungskette, die die Nordgrenze des Römischen Reichs sicherte. Mehrere Bau- und Umbauphasen sind dokumentiert. Vor allem der massive Ausbau der Befestigungsanlagen im 4. Jahrhundert hat monumentale Bauten hinterlassen, die das Erscheinungsbild des Orts bis heute prägen: Burgus, Fächerturm und Körnerkasten sind drei in Österreich einzigartige spätrömische Bauwerke. Unter der Pfarrkirche befinden sich die Reste des römischen Fahnenheiligtums.

Mit dem Zerfall des Weströmischen Reichs wurde im 5. Jahrhundert das Lager aufgegeben und verlassen. Sein aus dem 1. Jahrhundert stammender quadratischer Grundriss hat sich bis heute in der Form des Kirchenplatzes erhalten.

Mehr zur Geschichte des Kastells Cannabiaca: Römische Geschichte

Für eine Besichtigung folgen Sie dem ausgeschilderten „Römerrundgang“, den Sie am besten am Startpunkt 1. Kirchenplatz beginnen. In der Rasenfläche gegenüber der Raiffeisenkasse finden Sie, wie auch bei jeder weiteren Station, Informationstafeln in Deutsch und Englisch.


  1. 1. Startpunkt
  2. 2. Burgus Kleinkastell
  3. 3. Fächerturm
  4. 4. Körnerkasten - Östliches Lagertor
  5. 5. Unterkirche mit Fahnenheiligtum
  6. 6. Römischer Schauraum

Dem Orientierungsplan folgend gehen Sie vom Kirchenplatz auf der Tullnerstraße wenige Schritte zum Florianiplatz. Der über den rechten Gehsteig vorspringende Bau markiert die Stelle des westlichen Lagertors (Porta Principalis Sinistra). Wenn Sie sich nach rechts in die Augasse wenden, stehen Sie nach wenigen Metern vor dem (2) Burgus. Einige Schritte weiter geht es nach rechts in die Römergasse, in der Sie nach 150 Metern den (3) Fächerturm erreichen. Kurz danach folgen Sie nach rechts dem leicht ansteigenden Fußweg, der Sie zum (4) Körnerkasten am Passauerplatz und zum Kirchenplatz zurückführt, (5) Unterkirche mit Fahnenheiligtum. Vom Kirchenplatz gelangen Sie in 5 Gehminuten durch die Schulgasse zum Gemeindeamt Zeiselmauer-Wolfpassing in der Bahnstraße, wo sich der (6) Römische Schauraum befindet.

Der „Römerrundgang“ ist frei zugänglich, etwa 500 Meter lang und bequem zu gehen.

Auskunft über Führungen:

Gemeindeamt Zeiselmauer-Wolfpassing, Bahnstraße 6, +432242 / 70 402-0 (nur an Werktagen),
gemeinde@zeiselmauer.gv.at

Gasthof zum „Lustigen Bauern“, Kirchenplatz 1, +432242 / 70 424,
zum.lustigen.bauern@aon.at

Freunde von Zeiselmauer
kontakt@freundevonzeiselmauer.at

2. Burgus - Kleinkastell

Mit der Ausdünnung der militärischen Präsenz am Donaulimes in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts wurde das bisherige befestigte Militärlager an die Schutz suchende Zivilbevölkerung übergeben. Für die Resttruppe wurde an der Nordwestecke des Lagers der Burgus errichtet, ein Kleinkastell, das Platz für etwa 50 Mann bot.

© F. Mair

Der Bau umfasst eine Grundfläche von 20 x 21 Meter und war nur vom Lager durch ein nun rekonstruiertes Tor zugänglich. Die an der Basis 1,9 Meter starken Außenmauern verjüngen sich in jedem der drei Geschoße und bestehen aus einem Gemisch von Mörtel und Bruchsteinen (Opus caementitium / Gussmauerwerk) mit einer äußeren Schale aus großen Quadersteinen. Nach innen liegt der Gusskern bloß, die ursprüngliche Steinverkleidung fiel im Lauf der Zeit dem Steinraub zum Opfer. Nur in der Sockelzone der Ostwand, die bis zur Ausgrabung unter dem Bodenniveau lag, sind die zum Teil im Fischgrätmuster (opus spicatum) verlegten Steine erhalten.

Im Gegensatz zu den massiven Außenmauern erfolgte der Innenausbau nur in Holzbauweise. Die vier hakenförmigen Steinfundamente in der Mitte des Geländes trugen hölzerne Säulen, auf denen die Balken der Zwischendecken und das mit Ziegeln gedeckte Dach ruhten. Sie umschlossen einen kleinen Innenhof, der für spärliche Belichtung sorgte.

Die Westmauer des Gebäudes stürzte bereits in der Spätantike um, vielleicht durch ein Erdbeben oder durch Unterwaschung. Ihre Reste liegen im Vordergrund des Geländes.

Der heute freie Innenraum des Burgus war bis in die 1970er Jahre durch dort eingebaute Kleinhäuser verstellt. Die bis dahin für mittelalterlich gehaltenen Mauern wurden freigelegt, konserviert und konnten in die spätrömische Periode datiert werden. Aus dem Mauerwerk wurden einige zweitverwendete Steinobjekte geborgen, darunter der bedeutende „Weihestein“ und der Grabstein des Aelius Aemilius. Beide befinden sich im Römischen Schauraum im Gemeindeamt. Eine Kopie des Grabsteins wurde neben dem Burgus aufgestellt.

Der spätrömische Burgus von Zeiselmauer ist das einzige Bauwerk dieser Art in Österreich. Für seine charakteristische Bauweise finden sich die nächsten Vergleichsbeispiele erst an der serbischen Donau.

© F. Mair

3. Fächerturm

Ab Beginn des 4. Jahrhunderts wurden die Lagerbefestigungen massiv ausgebaut, vor allem durch mächtige Türme an den Flanken (Hufeisentürme) und an den Lagerecken (Fächertürme). In Zeiselmauer blieb als einziger der Fächerturm an der Nordostecke des Lagers in der Römergasse erhalten.

Durch den viertelkreisförmigen Grundriss ragte er über die Lagerfront hinaus und erleichterte die Bekämpfung von Angreifern, die bereits an der Mauer standen. Von dem ursprünglich 9 Meter hohen Bauwerk sind noch hoch aufragende Mauern erhalten. Anlässlich seiner Restaurierung wurden die aus der Erbauungszeit stammenden Löcher für die Gerüsthölzer freigelegt und mit Holzpflöcken markiert.

Der Fächerturm ist von herausragender Bedeutung, da er das einzige in Österreich freistehend erhaltene Bauwerk seiner Art ist, auch in den Nachbarländern mit römischer Vergangenheit gibt es kein Gegenstück mit so weitgehend vorhandener Bausubstanz. Er ist auch das älteste in Zeiselmauer erhaltene spätrömische Bauwerk.

© FRE Projekt Kuttner

4. Körnerkasten – östliches Lagertor

Das mächtige Bauwerk wurde in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts, etwa zur gleichen Zeit wie der Burgus, an der Stelle des östlichen Lagertors (Porta Principalis Dextra) errichtet. Es wird als Kastentor bezeichnet, obwohl unklar ist, ob es in spätrömischer Zeit noch als Tor oder nur als Schutzbauwerk diente. Das Mauerwerk ist bis zur Dachhöhe spätrömisch, mit späteren Ausbesserungen. Die schlitzartigen schmalen Fenster stammen aus der Bauzeit, die größeren, sowie die an der linken Seite ausgebrochene Tür sind neuzeitlich. Ein charakteristisches Stilelement stellen die sorgfältig abgerundeten Ecken dar. An der lagerseitigen Front ist ein mächtiger Gurtbogen zu erkennen, der innere Torbogen des einstigen östlichen Lagertors. Wegen der etwa 2 Meter hohen Anschüttung ist nur der obere Teil sichtbar.

Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand des Gebäudes ist der jahrhundertelangen Instandhaltung und Nutzung als „Körnerkasten“ zu verdanken, als Speicher für das Zehentgetreide der Passauischen Grundherrschaft. Wegen der Datierung 1581 auf dem kleinen Torbogen wurde das Bauwerk lange Zeit als mittelalterlich angesehen, die Jahreszahl bezieht sich allerdings nur auf den damaligen Einbau dieses Tors und eines Kellergewölbes.

Der „Körnerkasten" ist eines der größten erhaltenen spätrömischen Gebäude in Österreich und das einzige Beispiel eines Kastentors.

5. Unterkirche mit Fahnenheiligtum

Unter der Pfarrkirche sind die Reste von zwei Räumen des römischen Kommandogebäudes (Principia) erhalten. Die baulichen Relikte im ersten Raum umspannen die gesamte Nutzungszeit ab dem 1. Jahrhundert. Im 4. Jahrhundert wurde mit der Übergabe des Lagers an die Zivilbevölkerung auch das Kommandogebäude für Wohnzwecke adaptiert, unter anderem in diesem Raum durch Einbau von Kochstellen und einer Warmluftheizung.

© F. Mair

Der größere zweite Raum dagegen wurde wegen seines kultischen Charakters unberührt belassen und befindet sich weitgehend im Zustand des 3. Jahrhunderts. Es handelt sich um das Fahnenheiligtum des Lagers, das zuletzt vermutlich als christlicher Kultraum gedient hat. Ursprünglich wurden hier die Insignien und Ruhmeszeichen der Truppe verwahrt. Hier wurde eine lebensgroße Bronzestatue des jeweiligen römischen Kaisers im Sinne des Staatskults verehrt. Vor ihr fand auch die Vereidigung der Soldaten statt. Bruchstücke eines solchen Standbilds wurden bei der Ausgrabung gefunden. Eine Besonderheit stellt der massive Steinsockel der Statue dar, der sich noch an seiner ursprünglichen Stelle befindet. Der Raum wurde nach Süden durch eine große Rundapsis abgeschlossen, deren Fundamente nun außerhalb der Kirche liegen.

Im Rahmen der Ausgrabung wurden 1981 auch die Mauern einer karolingerzeitlichen Saalkirche freigelegt, die im 9. Jahrhundert von bayerischen Einwanderern auf den römischen Fundamenten errichtet worden war. Sie zählt zu den ältesten Kirchenbauten Niederösterreichs.

Am österreichischen Donaulimes haben sich nur zwei römische Fahnenheiligtümer erhalten, jeweils unter den Pfarrkirchen von Zeiselmauer und Traismauer. In beiden Fällen weisen die Ortsnamen auf einen auffallenden Bestand römischer Mauern hin.

Aus konservatorischen und aus Platzgründen ist die Besichtigung nur für kleine Gruppen im Rahmen einer Führung und gegen Voranmeldung möglich.

Auskunft:
Gemeindeamt Zeiselmauer-Wolfpassing, Bahnstraße 6,
Tel.: 02242 / 70 402-0 (nur an Werktagen),
e-mail: gemeinde@zeiselmauer.gv.at
Freunde von Zeiselmauer:
e-mail: kontakt@freundevonzeiselmauer.at

© FRE Projekt Kuttner

6. Römischer Schauraum

Zeiselmauer verfügt über einen beachtenswerten Bestand an römischen Fundstücken. Die kleine Ausstellung zeigt davon eine Auswahl, ergänzt durch Leihgaben des Kunsthistorischen Museums Wien, des Landes Niederösterreich – Archäologischer Park Carnuntum und des Bundesdenkmalamtes. Alle Objekte stammen aus Zeiselmauer und umspannen den Zeitraum vom 1. bis zum 4. Jahrhundert.

© F.Mair

Neben bedeutenden Kleinfunden verdienen die beiden wichtigsten Schriftdenkmäler des römischen Zeiselmauer Beachtung:

Weihestein, von der hier stationierten berittenen II. Thrakischen Kohorte (Cohors II Thracum) 164 n. Chr. zu Ehren des Kaisers Lucius Verus gestiftet. Es ist die einzige Erwähnung dieser Truppe in Noricum.


Grabstele des Veteranen Aelius Aemilius, die ihm seine Gattin mit dem wahrscheinlich keltischen Namen Amuca errichten ließ. 2. Jahrhundert. Eine Kopie der Grabstele ist neben dem Burgus aufgestellt.

Der Verein „Freunde von Zeiselmauer“ hat in dem von der Gemeinde Zeiselmauer-Wolfpassing zur Verfügung gestellten Raum 2015 diese Ausstellung gestaltet und aus Beiträgen und Spenden seiner Mitglieder finanziert.

Römischer Schauraum im Gemeindeamt Zeiselmauer-Wolfpassing. Bahnstraße 6. Die Ausstellung ist während der Geschäftsstunden der angrenzenden Bäckerei geöffnet und frei zugänglich.