UNESCO Welterbe

Die Grenzen des Römischen Reiches (Frontiers of the Roman Empire) bilden ein einzigartiges Bodendenkmal von internationaler Bedeutung. Allein in Europa erstreckt es sich quer durch den Kontinent, von der Rheinmündung in die Nordsee bis zur Donaumündung in das Schwarze Meer, über eine Länge von 3.400 km. Die Flussgrenzen an Rhein und Donau wurden verbunden durch ein 550 km langes Stück Landgrenze, den Obergermanisch-Rätischen Limes. Dieser wurde 2005 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Ebenso wie in Großbritannien der Hadrianswall (1987) und der Antoninuswall (2008). Logo des Obergermanisch-Rätischen Limes

Die Eintragung auch des Donaulimes in die Welterbe-Liste ist ein lange gehegter Wunsch. Der etwa 300 km lange österreichische Grenzabschnitt umfasst die Donau-Strecke zwischen Passau und Bratislava, die Nordgrenze der damaligen Provinz Noricum. Hier überwachten 3 Legionslager, 16 Kastelle und mehrere Wachtürme, die durch eine Limesstraße verbunden waren, die Reichsgrenze.

Die Vorarbeiten für eine Nominierung als Welterbe begannen bereits vor Jahren und konnten 2015 mit der Festlegung der in Frage kommenden Bau- und Bodendenkmäler sowie der nötigen Schutzzonen (Kern- und Pufferzonen) zunächst abgeschlossen werden. Im November 2015 stimmte der Gemeinderat von Zeiselmauer-Wolfpassing dem Vorschlag des Bundeskanzleramts zur Aufnahme folgender Bauwerke in die Liste des UNECO-Welterbes zu: Kirche bzw. Unterkirche, Kirchenplatz, Volksschule, Körnerkasten, Fächerturm, Römermauern (Burgus). Da die Kernzone schon bisher unter Schutz stand, änderte sich für die Eigentümer der Liegenschaften nichts.

Es stellte sich jedoch heraus, dass der österreichische Bestand an Baudenkmälern für eine Nominierung nicht ausreichte, ebenso wenig eine angedachte Kooperation mit Bayern. So kam es zu einer Projektausweitung durch Einbeziehung von Ungarn und der Slowakei und damit zur ersten transnationalen Nominierung eines Teils der Frontiers oft he Roman Empire.

Nicht nur das war neu. Bisher ging die Welterbe-Definition von einem in sich geschlossenen zusammenhängenden Bauwerk aus, wie z.B. dem Hadrianswall u.ä. Die römischen Baudenkmäler an der Donau stellen aber eine lockere Reihe nicht zusammenhängender Bauten dar, ein sogenanntes „serielles Denkmal.“ Die UNESCO forderte den Nachweis, dass ein solches Denkmal die Welterbe-Kriterien erfüllen kann. Dadurch verzögerte sich die bereits für 2016 geplante Einreichung des Antrags.

Antrag Welterbe Donaulimes

Unter führender Beteiligung Österreichs konnte ein internationales Expertenteam im Rahmen einer „thematischen Studie“, die 2017 vorgelegt wurde, diesen Nachweis erbringen. Somit konnte der Antrag im Jänner 2018 eingebracht werden.

In dem gemeinsamen Antrag Ungarns, Österreichs, Deutschlands und der Slowakei wurden entlang der 950 km langen Donaustrecke von Regensburg zur ungarisch-serbischen Grenze 98 „Komponenten“ (Stätten mit relevanten römischen Baudenkmälern, davon 22 in Österreich) nominiert, die zusammen das „Welterbe Donaulimes“ darstellen.

Im September 2018 evaluierte eine Expertengruppe der ICOMOS (Internationale Denkmalschutz – Behörde) im Auftrag von UNESCO alle nominierten Stätten (in Zeiselmauer am 29. 09.). Auf Grund des positiven Ergebnisses dieser Begutachtung wurde der Antrag in die Tagesordnung der UNESCO Jahreskonferenz im Juli 2019 in Baku zur Beschlussfassung aufgenommen.

Welterbe Donaulimes - langer Weg zum guten Ende

Mit einem kurzfristigen Änderungswunsch verhinderte Ungarn 2019 die Annahme des Antrags in Baku. Nach neuerlicher Überarbeitung und Begutachtung durch die Experten von ICOMOS lag für die 2020 geplante UNESCO Jahreskonferenz in Fuzhou / China ein beschlussreifer Antrag vor. Die Corona-Pandemie führte jedoch zur Absage und Verschiebung dieser Konferenz auf 2021.

Der ursprüngliche Plan, ein transnationales Gemeinschaftsprojekt mit Ungarn, Österreich, Bayern und Slowakei zu realisieren, scheiterte in letzter Minute, als Ungarn sich dieser Aufgabe vermutlich nicht gewachsen fühlte und ausstieg. Ein internationales Expertengremium hatte nun kurzfristig zu beurteilen, ob auch der verkleinerte Projektumfang "Welterbe-würdig" war. Zur allseitigen Erleichterung konnte dies bestätigt werde.

Damit konnte am 30. Juli 2021 in Fuzhou erfreulicherweise Einigkeit darüber erzielt werden, den Donaulimes in Bayern, Österreich und der Slowakei, unter Außerachtlassung Ungarns, in die Welterbeliste aufzunehmen.

In diesem Abschnitt befinden sich in Österreich 22, in Bayern 9 und in der Slowakei 2 Welterbestätten.

Damit wurde auch ein bedeutender Teil der „Frontiers of the Roman Empire“ zu einem zusammenhängenden Welterbe-Komplex: Die Welterbestätten Hadrianswall (1987) und Antoninuswall (2008) in Großbritannien, der nun ebenfalls in Fuzhou beschlossene Niedergermanische Limes am Rhein (Holland und Deutschland), der Obergermanisch-Rätische Festland-Limes zwischen Rhein und Donau (seit 2005) und nun der Donaulimes.